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Moderne, PC-basierte Ladenwaagen melden die Mitarbeiter zu Dienstbeginn an der Bedientheke automatisch im System an und unterstützen sie bei der Kundenberatung. (Foto: Fotolia/industrieblick)
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Die Waage als Datendrehscheibe

Bei den neuen Waagen-Generationen geht der Trend weg von umfangreichen Standard-Softwarepaketen hin zu Apps und Web-Services. Damit wird auch ein sehr gezielt auf den individuellen Bedarf des Händlers zugeschnittenes Customizing der Wägelösung möglich. Vom Infoterminal mit oder ohne Drucker über die reine Kassenfunktion bis zur kompletten Waage ist heute nahezu jede Konfiguration realisierbar. Zunehmend rückt nun die Einbettung der Waage in Handel-4.0-Strategien in den Fokus. Die Waage wird, wie viele andere POS-Systeme auch, zu einem Touchpoint innerhalb der vernetzten Kanäle im Omnichannel-Handel.  

Zu den speziell für Omnichannel entwickelten Lösungen zählt zum Beispiel eine App, die die Waage an den Webshop anbindet. Damit können dann an der Theke Bestellungen von Frischware im Click&Collect-Verfahren (online bestellen, im Laden abholen) abgewickelt werden. Die Online-Bestellung des Kunden wird über die App auf der Waage angezeigt und kann so vom Personal direkt bearbeitet werden. Kommt der Kunde zum Abholen an die Bedientheke, steht sein Warenpaket dort schon bereit und muss nur noch bezahlt werden.

Mettler-Toledo: Barrierefreies SB-Wiegen

Etwa 1,5 Mio. Menschen in Deutschland sind Rollstuhlfahrer. Wie der Lebensmittelhandel ihnen das Einkaufen in der Frischeabteilung erleichtern kann, zeigte Mettler Toledo auf der EuroShop 2017 mit einer Variante der Touchscreen-Waage „FreshWay V“ als barrierefreie SB-Waage. Die Waage bietet Funktionen wie einen Assistenzruf und erfüllt Anforderungen an die Barrierefreiheit, wie sie beispielsweise das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz in Österreich verlangt. Außerdem gab es auf der EuroShop ein Technologie-Upgrade für die gesamte Waagenlinie FreshWay zu sehen.

Mit dem Aufspielen solcher Apps und anderer Services auf vorhandene Waagen verkürzt sich die sogenannte Time-to-Market, also die Verfügbarkeit neuer Funktionen. Dadurch, dass die Software schlanker und maßgeschneiderter wird, wird der Händler unabhängiger davon, was das nächste Major Release an neuen zusätzlichen Standardfunktionen bringt. Zu den neuen Funktionalitäten gehören u.a. individualisierte Bedienoberflächen, selbsterklärendes Artikel- und nutzergesteuertes Rechte-Management. Ein weiterer Pluspunkt der individuell konfigurierbaren Service-Pakete betrifft das Management der Systeme. Anwender im Handel können sich aus den Angeboten der Hersteller ihr eigenes Portfolio aus den Faktoren Verfügbarkeit, Nutzung, Kalibrierung, Full-Service und Lifecycle-Management frei zusammenstellen.

Systemmanagement

Für das Systemmanagement haben die Waagenhersteller Lösungen entwickelt, die sich ebenfalls die Integration der Waagen in das zentrale IT-System des Handelsunternehmens zunutze machen. Der konkrete Anwendernutzen besteht auf verschiedenen Ebenen: Flächendeckende Rollouts der Softwareverteilung, Datenbank-Aktualisierungen auf dem Server, Anpassungen der Tastenbelegungen im Touch-Layout, neue Etikettenvorgaben und andere Programmierschritte sind schnell und einfach möglich.  

Auch dem Marketing- und Category-Manager eröffnen sich neue Möglichkeiten. Im zentralen Marketing erstellte Werbung beispielsweise lässt sich per Drag & Drop allen oder ausgewählten Filialen und Waagen zuweisen. Einkauf und Vertrieb profitieren vom zentralen und zeitnahen Zugriff auf alle in der Waage hinterlegten Abverkaufsdaten. Nicht zuletzt stellen solche Managementsysteme dem Händler mit einem Echtzeit-Monitoring alle Gerätedaten jederzeit zur Verfügung.  

Einer der größten Vorteile der aktuellen Waagen-Generation ist der kontinuierliche Modernisierungsprozess des Bestandes. Die führenden Hersteller betonen, dass sie die Entwicklung neuer Apps und Funktionen gemeinsam mit ihren Kunden im Handel (Stichwort: Customizing) vorantreiben wollen. Jede neue Lösung steht dann auch sofort für die Anwendung am POS bereit.

Foto: Fotolia/industrieblick

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org

Interview

Eine Voraussetzung für Retail 4.0

Welche Relevanz hat das Thema Retail 4.0 für die Wägetechnik im Lebensmittelhandel?

Beschrieb „Tante Emma“ den Status Retail 1.0, die Filialisierung 2.0 und den Onlinehandel 3.0, so sind wir jetzt mit dem vernetzten Omnichannel bei Retail 4.0. Alle Kanäle laufen beim Kunden zusammen, er ist vernetzt und hat online genauso wie stationär gleich hohe Erwartungen an Preis, Qualität, Service, Verfügbarkeit und warenspezifische Informationen. Bizerba setzt auf die nahtlose Einbindung der PC-Waagen in diese kanalübergreifenden Prozesse und schafft somit die Voraussetzungen für Retail 4.0.

Wie offen steht der Handel diesen digitalen Transformationsprozessen gegenüber?

Der Handel hat bereits vor zehn Jahren begrüßt, dass wir die früher proprietären Wägesysteme durch offene Systeme abgelöst haben. Damit wurde es möglich, dass ganz unterschiedliche Geräte und Systeme auf der Fläche miteinander kommunizieren können. Stammdaten und beliebige andere Produktdaten wie zum Beispiel Inhaltsstoffe sind über unterschiedliche Devices verfügbar. Diese Einbindung in ein umfassendes Datenmanagement ist auch für die Waagen der richtige Weg.

Welche neuen konkreten Anwendungen werden damit auf einer Ladenwaage möglich?

Das Spektrum reicht von Augmented Reality bis hin zu Retail-Apps speziell für Waagen. Ein Beispiel ist die automatische Anmeldung der Bedienkraft an der Waage mithilfe einer integrierten Kamera, die den Nutzer über einen Code am Namensschild identifiziert. Ein anderes Beispiel ist ein intelligentes Warteschlangen-Management. Oder die Steuerung von interaktiver Werbung oder Web-gestützten Informationen auf dem Monitor. Ganz grundsätzlich wird Software bei Waagen immer wichtiger. Sie ermöglicht zum Beispiel das Device-Management, also Inventarisierung und Monitoring der einzelnen Geräte. Das zentrale Management der gesamten Geräte und Systeme auf den Flächen inklusive der Organisation der Sicherheitsstrukturen wird für Händler immer wichtiger. Vor diesem Hintergrund bieten wir die Möglichkeit zur Vernetzung nun auch für unsere Schneidemaschinen - wir nennen das Digital Slicing.