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KI: Es gibt noch Hürden
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KI: Es gibt noch Hürden

Herr Rahimi, das Thema künstliche Intelligenz ist derzeit im Handel in aller Munde. Immer wieder stößt man dabei auf den Begriff „Cognitive Commerce“. Worum handelt es sich dabei?

Der Begriff Cognitive Commerce meint das Thema künstliche Intelligenz. Der Begriff wird insbesondere von Software-Herstellern wie IBM benutzt. Cognitive Computing ist der Überbegriff von Cognitive Commerce. Cognitive Commerce fokussiert sich auf Anwendungsfälle im Handel: Marketing, Supply Chain und E-Commerce.

Finden sich schon aktuelle Anwendungen im Einzelhandel?

Einige Firmen setzen KI bereits zur Personalisierung von Angeboten ein, um besser erkennen zu können, was sich Kunden wünschen. Auch KI-basierte Chatbots werden bereits eingesetzt. Aktuell probieren größere Firmen diese Chatbots für den internen Support erfolgreich aus.

Und am POS?

Wenn ich diesen Begriff nur mit der Kasse verknüpfe, spielt Cognitive Commerce seine Fähigkeiten nicht aus. Der Kunde hat sich am Checkout bereits für den Kauf entschieden. Ein Upsell ist schwierig und nicht effektiv. Ein Coupon für den nächsten Einkauf wäre eine Variante, die auch jetzt schon umgesetzt wird, hebt aber nicht die Möglichkeiten. Versteht man den POS als gesamte Fläche eines Ladengeschäfts, kann Cognitive Commerce neue Anwendungsmöglichkeiten schaffen, zum Beispiel ein intelligenter Spiegel, der die Mimik des Kunden erkennt. Gefällt dem Kunden das Kleidungsstück nicht, empfiehlt der Spiegel eine Alternative.

Wie schätzen Sie das Potenzial solcher Anwendungen ein?

Solche Anwendungen sind meiner Meinung nach im Moment noch nicht ausgereift genug. Viele dieser Technologien sind noch zu kompliziert. Es gibt aber auch KI-basierte Anwendungen für den stationären Handel, die sich bewährt haben. So erstellt ein Eingangs-Demographie-Scanner anhand von Bildern anonymisierte Profile des Besucherstroms. Dies erspart aufwändige Zählungen oder Umfragen. Basierend auf klassischer Datenanalyse kann man dann lokalisierte Werbung für bestimmte Produktgruppen schalten – da kommt dann Machine Learning ins Spiel. Eine KI-basierte Datenanalyse ist deutlich schneller als eine manuelle.

Wo sehen Sie zukünftige Einsatzfelder von KI?

Die per KI durchgeführte Beantwortung von Kundenanfragen wird sich sicherlich schnell durchsetzen. KI wird irgendwann ein fester Bestandteil im Werkzeugkasten eines IT-Architekten und Softwareentwicklers sein. Auf den Handel kommen in der Zusammenarbeit mit der IT neue Anforderungen zu. So werden Spezialisten benötigt, die geschult sind, große Datenmengen sinnvoll aufzuarbeiten und für eine KI-Auswertung bereitzustellen. Mit Algorithmen Sprache zu verstehen, ist ein Meilenstein in der Geschichte von KI. Durch das Erkennen von Sprache und Zusammenhängen ergeben sich neue Möglichkeiten. Wir bewegen uns mit den Anwendungen im Handel aber noch nicht im Deep-Learning-Umfeld. Es gibt bereits Tests, so etwa bei Facebook. Doch die von Facebook getesteten Bots haben weitergelernt und die Sprache so verändert, dass wir sie nicht mehr verstehen konnten. Der Nutzen ist einfach noch nicht offensichtlich. Viele denken fälschlicherweise, man schaltet die KI ein und alles funktioniert automatisch. Aber man muss ein System trainieren. Das wird auch noch eine Weile aufwändig sein. Bis künstliche Intelligenz dahingehend ausgereift ist, wird es sicher noch fünf bis zehn Jahre dauern.

Das Interview führte Imke Hahn.