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Jens Siebenhaar (IT-Chef Rewe) über zukünftige wichtige technologische Themen für den Handel (Foto: Rewe)
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Nur wenige Alternativen zur Cloud

Herr Siebenhaar, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten technologischen Themen für den Handel in den nächsten drei Jahren?

Mobile Commerce und Big Data spielen aus meiner Sicht eine wichtige Rolle für unsere Branche. Wir haben in den letzten Jahren schon damit begonnen, neben dem klassischen Data Warehouse zusätzlich auch Big Data-Technologie einzusetzen. Nun müssen wir uns noch intensiver mit der Detailauswertung dieser Daten beschäftigen. Die Bedeutung von Mobilität wächst in viele Richtungen weiter. Mitarbeiter werden zukünftig zunehmend mobil arbeiten und benötigen dazu eine entsprechende technische Ausstattung und Infrastruktur. Für unsere Kunden im Markt ist schon heute das Mobiltelefon Zugangsmedium Nummer eins zum Internet. Es macht daher Sinn, unsere Anwendungen und Prozesse darauf abzustimmen.

Gibt es eine Technologie, die zurzeit besonders im Fokus steht?

Die Blockchain-Technologie ist ein neuer Trend, dessen Nutzungsmöglichkeiten wir derzeit noch bewerten. Eine Technologie, bei der unabhängige Partner, selbst wenn sie nicht in langjähriger vertrauensvoller Geschäftsbeziehung stehen, sichere und nachvollziehbare Geschäfte abwickeln, könnte die Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen vereinfachen. Dies kann zum Beispiel im Bereich der Rückverfolgung oder im Bereich der Qualitätssicherung interessant sein. Ebenso könnten sich dadurch neue Chancen einer besseren Gestaltung von Geschäftsbeziehungen ergeben. Die Abwicklung von sicheren Geschäften könnte hier ganz neu organisiert werden.

Wird die Cloud-Technik an Bedeutung gewinnen?

Auf jeden Fall. Wir achten schon heute darauf, dass neue technische Systeme Cloud-kompatibel sind. Ebenso müssen wir uns darauf einstellen, dass zukünftig Software-Lösungen ohnehin nur noch als Cloud-Anwendung angeboten werden. Der Handel muss sich hier Gedanken machen, welche Alternativen er in Zukunft überhaupt noch hat. Schließlich wird mit der Einführung von Cloud-Lösungen die Softwarenutzung tendenziell mehr Kosten verursachen.

Könnte das dazu führen, dass sich die Händler wieder stärker auf Eigenentwicklung fokussieren?

Mit heutigen Technologien und Methoden lassen sich in kurzer Zeit intern gute Softwarelösungen entwickeln, wie Amazon, Netflix und Zalando demonstrieren. Dazu kommt natürlich der Wunsch vieler Unternehmen nach Unabhängigkeit von externen Softwareherstellen. Selbstverständlich hat Standardsoftware auch im Handelsumfeld ihre Berechtigung, nämlich dort, wo es darum geht, nicht differenzierende Prozesse mit einer fertigen Lösung abzubilden. Dabei ist nicht außer Acht zu lassen, dass die Konfiguration von Standardsoftware jedoch oft auch sehr aufwändig ist.

Sehen Sie Veränderungen an den Arbeitsplätzen in der IT?

Absolut. Flexibles Arbeiten wird immer wichtiger. Dies betrifft nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch die räumliche Dimension. Ein gutes Arbeitsklima, ein angenehmes Arbeitsumfeld, klare Weiterentwicklungsoptionen und ein gutes Verständnis über den Beitrag des Einzelnen zum Gesamterfolg – diese Faktoren sind heute wichtiger denn je zuvor. Ich glaube, dass wir bei der Rewe Systems uns gut auf diese neuen Anforderungen eingestellt haben, denn auch in einem schwierigen Arbeitsmarkt gelingt es uns, genügend hochqualifizierte und engagierte Menschen für uns zu begeistern.

In vielen Unternehmen sind die klassische IT und E-Commerce in verschiedenen Bereichen angesiedelt. Ergeben sich dadurch nicht erhebliche Probleme?

Auch die Rewe Group hat sich entschieden, für den Bereich E-Commerce eine eigene Gesellschaft zu gründen. Ich glaube, diese Entscheidung war in jeder Hinsicht richtig, um den initialen Anschub zu geben. Wichtig ist, darauf zu achten, dass die Arbeiten abgestimmt werden und eine klare Aufgabenteilung definiert ist. Ist dies nicht der Fall, entstehen erhebliche Redundanzen, die auf Dauer problematisch werden können.

Werden die IT-Kosten in den nächsten Jahren weiter steigen?

Wir lassen unsere IT-Kosten regelmäßig benchmarken, um sicherzugehen, dass wir uns marktkonform entwickeln. Natürlich liegt es in unserem Interesse, dass die Kosten für Informationstechnik so gering wie möglich sind. Allerdings schreitet die Digitalisierung mit großen Schritten voran, sodass die IT eben in allen Bereichen immer wichtiger wird. Davon sind alle Unternehmensprozesse betroffen. Für die IT stehen immer weitere Aufgaben an, die ohne vermehrte Investitionen nicht zu bewältigen sein werden.

Das Interwiev führte Michael Gerling. 

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org