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Foto Koch in Düsseldorf: „Regalverlängerung“ in der Filiale (Foto: Foto Koch)
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Aktive Community auf allen Kanälen

Im Wettbewerb mit Internet-Konzernen und mit den Großfilialisten ist es nur wenigen Fotofachhändlern gelungen, ihre Webshops als relevantes zweites Umsatz-Standbein zu etablieren. Michael Gleich, Geschäftsführer von Ringfoto, der größten Verbundgruppe der Branche, schätzt deren Zahl auf 10 bis 15 Betriebe.

Zu den auch im Internet sehr erfolgreichen Fachhändlern gehört Foto Koch in Düsseldorf. Das Unternehmen ist eine Institution weit über die Region hinaus, steht für eine nahezu 100-jährige Fachgeschäftstradition, ebenso aber für Modernität, Kreativität und Innovation. Kaum ein anderer Händler in der Branche hat das kanalübergreifende Vertriebskonzept konsequenter und überzeugender umgesetzt. „Eine Trennung zwischen Online und Offline wollten wir von Anfang an vermeiden“, sagt Thomas Görner, Geschäftsführer von Hifi & Koch. Äußeres Kennzeichen dieser Strategie ist der 220 qm große Store an der Düsseldorfer Einkaufsmeile Schadowstraße. Er wurde im vergangenen Jahr zu einer Art Showroom umgestaltet. Auf Warenfülle wurde verzichtet, das präsentierte Sortiment ist auf rund 1.000 Artikel beschränkt. Die Einrichtung ist wertig, die Produkte werden kreativ und erlebnisorientiert dargeboten.

Produktdatenbank

Unmittelbar an den Store schließt sich ein 450 qm großes Präsenzlager an. Auf einem im Beratungstisch integrierten Bildschirm kann dem Kunden das gesamte, rund 25.000 Artikel umfassende Sortiment gezeigt und erläutert werden. Auf Wunsch werden einzelne Artikel aus dem Lager geholt. Dafür wurde eine eigene Produktdatenbank aufgebaut. Ein Mitarbeiter ist ständig mit der Pflege der Daten beschäftigt.

Der mittelständische, inhabergeführte Filialist Foto Erhardt hat auch stationär den Sprung ins Omnichannel-Zeitalter geschafft. (Foto: Foto Erhardt)
Der mittelständische, inhabergeführte Filialist Foto Erhardt hat auch stationär den Sprung ins Omnichannel-Zeitalter geschafft. (Foto: Foto Erhardt)

Foto Koch kommt auch aus dem Kataloggeschäft – die Erfahrungen im Versandhandel und der über Jahrzehnte aufgebaute Kundenstamm verhalfen dem Händler zu einer guten Startposition für seinen 1999 installierten Webshop. Infos rund um die Fotografie, ein intensiver Informationsaustausch mit der Community, dazu Workshops und kreative Events – auf diese Säulen baut Görner, um Webshop und Store gleichermaßen im Gespräch zu halten.

Foto Koch organisiert zum Beispiel Fotorallyes in Düsseldorf und Fotoreisen nach Teneriffa. Es gibt Workshops für Porträt-, Fashion oder Industriefotografie. Foto Koch informiert und diskutiert mit seiner Community über viele Themen – von Leben und Werk berühmter Fotokünstler bis zu den aktuellen Neuheiten der Photokina – dies über alle relevanten sozialen Medien sowie über das eigene Print-Magazin „Schnappschuss“.

Alle werblichen Maßnahmen sind integriert, um Webshop und stationären Verkauf gleichermaßen zu unterstützen. Inzwischen werden rd. 15 Prozent der Web-Bestellungen im Düsseldorfer Laden abgeholt, Tendenz steigend. „Der Warenkorb der Store-Besucher ist deutlich größer als bei Online- Bestellungen“, berichtet Geschäftsführer Thomas Görner.

Stationär erfolgreich

Im Web erfolgreich und kanalübergreifend verknüpft präsentiert sich auch Foto Erhardt mit Zentrale in Westerkappeln. Das Handelsunternehmen hat eine 115-jährige Tradition und betreibt heute 13 Filialen im westlichen Niedersachsen, im nördlichen NRW sowie in Brandenburg, beschäftigt 130 fachlich ausgebildete Mitarbeiter und macht rd. 40 Mio. Euro Umsatz. Rd. 18.000 Artikel sind gelistet, 6.500 Artikel ständig vorrätig.

Die Produktdatenbank ist für unser Online-Geschäft das höchste Gut.
Christian Erhardt
Geschäftsführer, Foto Erhardt

Seit 1999 sind Website und Webshop online. Über Blogs, Facebook-Gruppen und Newsletter wuchs mit der Zeit eine Erhardt-Community von tausenden Hobby- und Profifotografen heran. Stationär betreibt Foto Erhardt eine Fotoakademie. Verkauft wird über den eigenen Webshop, aber auch auf 11 Internet-Plattformen, darunter Ebay und Amazon. Insgesamt bedient der Händler Kunden aus weltweit 25 Ländern. „Computer Bild“ zeichnete den Shop in den letzten 4 Jahren immer wieder als „Top Shop“ aus.

Für die professionelle Präsentation der Artikel hat der Händler eine eigene Produktdatenbank aufgebaut. „Unser höchstes Gut“, so Geschäftsführer Christian Erhardt. Die Artikel sind darin mit bis zu 150 Attributen und Spezifikationen hinterlegt. Produktvideos, auch mit 360-Grad-Ansichten, werden bei Bedarf selbst gedreht. Produktbeschreibungen der Hersteller werden für den Online-Auftritt inhaltlich und stilistisch überarbeitet und wenn nötig durch das detaillierte Sortimentswissen von Erhardt und seinen Mitarbeitern ergänzt. Zur Kundenberatung in den Filialen und zur Online-Kommunikation kann jederzeit auf diese Informationen zugegriffen werden.

Same Day Delivery

Professionell und kundenorientiert sind auch Bezahlung und Auslieferung. Die Kunden können unter 6 Bezahlvarianten wählen, seit neuestem auch Online-Ratenzahlung. In Berlin testet Erhardt zusammen mit dem Logistik-Partner DHL Same Day Delivery bei Bestellungen bis 12 Uhr mittags mit einer Liefergebühr von 9,90 Euro. „Wir wollen Erfahrungen sammeln, wie und bei welchen Bestellungen dieser Service von den Kunden angenommen wird, um ihn dann gegebenenfalls auf andere Regionen auszuweiten“, erklärt Christian Erhardt.

Die starke Online-Präsenz bringt auch zusätzliche Kunden aus dem Einzugsgebiet in die stationären Geschäfte. „Verstärkt, wenn es um emotional aufgeladene oder um sehr erklärungsbedürftige Produkte geht“, so Erhardt. Aber auch weil immer mehr Web-Bestellungen in den Filialen abgeholt werden. Foto Erhardt hat schon seit einiger Zeit kanalübergreifende Kundenservices installiert. Technische Basis dafür ist das ERP-System Microsoft Dynamics NAV (ehemals Navision) und eine speziell auf Foto Erhardt zugeschnittene Warenwirtschafts- und Kassensoftware. Die Verknüpfung der Anwendungen mit der Webshop-Software und die Einbindung der Omnichannel-Funktionen wurden von einem externen Systemhaus durchgeführt.

Auch stationär smart unterwegs

So können Online-Kunden in Near-Time die Bestände in den Filialen abfragen. Umgekehrt können Filialkunden nicht vorhandene Ware im Store bestellen, die laut Erhardt innerhalb von maximal 3 Tagen geliefert wird. Besonders gut angenommen wird der Click & Collect-Service mit einer Steigerungsrate von über 100 Prozent von 2016 auf 2017. „Die Zahl der Online-Bestellungen mit Abholung in der Filiale liegt jährlich im hoch vierstelligen Bereich“, berichtet Christian Erhardt. Für die Filialen bringt dies mehr Frequenz und die Chance auf Zusatzumsätze. Seit drei Jahren wachsen die Umsätze online wie stationär nahezu parallel und über dem Branchendurchschnitt. In 2017 hat Erhardt eine neue Filiale in Münster eröffnet und ist auf der Suche nach weiteren Standorten. „Auch im Online-Zeitalter kann der stationäre Handel wachsen.“

Fotos: Foto Koch, Foto Erhardt

Weitere Informationen: Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-Mailredaktion@remove-this.ehi.org  

Fotohandel: Branche im Umbruch

Parallel zur Flächenexpansion der großen Consumer Electronics-Filialisten, parallel zum wachsenden Online-Handel erodiert die Zahl mittelständischer Fotohandelsbetriebe. Heute agieren auf dem deutschen Markt noch rund 1.500 selbstständige Fachhändler.

Praktisch alle diese Betriebe sind in zwei Verbundgruppen organisiert: rund 500 in der Fotoco Fotohandelsgesellschaft (Europafoto) und gut 1.000 bei Ringfoto, die europaweit größte Fachhandelskooperation der Branche.

Der Wettbewerbsdruck ist hoch – nach Jahrzehnten der gegenseitigen Konkurrenz beginnen die beiden Gruppen inzwischen zu kooperieren. Am Ende dieses Prozesses wird wohl die Verschmelzung zu einer einzigen starken Kooperation stehen. Die meisten der Kooperationsmitglieder sind nicht oder nur gering filialisiert und leben ausschließlich von ihrer Präsenz und Kompetenz vor Ort. Sie betreiben eine Website und oft auch einen Webshop, der allerdings nicht nach Umsatzerfolg bemessen wird, sondern vorwiegend dem Ziel dient, lokale Kunden zusätzlich anzusprechen, ihnen alternative Einkaufswege zu bieten und sie optimalerweise zum Einkauf in das stationäres Geschäft zu bewegen. Dort punkten die Händler mit hoher Beratungskompetenz und mit einer Reihe innovativer Dienstleistungen – etwa wenn es um die digitale Verknüpfung der klassischen Fotografie mit dem Smartphone geht.

Damit kompensieren sie die Rückgänge in den klassischen Sortimentsbereichen. Relativ stabil halten sich in der Branche lediglich die Absatzzahlen von Objektiven, Fotozubehör und Action Cams. Weil die Produkte anspruchsvoller und die Produktpreise gestiegen sind, verbucht die Branche zwar Umsatzzuwächse. Ihr Fokus aber verschiebt sich vom klassischen Fotogeschäft hin zu smarten Technologien.