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Geld-Einzahlungsautomaten für Scheine und Münzen in der Dorfbäckerei Tiefenbach (Foto: Glory)
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Gelassenheit bei den Anbietern

Moderne Cash-Management-Systeme unterstützen Händler dabei, die täglich aufkommenden Mengen an Bargeld sowohl im Front- als auch im Backoffice effizient zu verarbeiten. Die Vorteile der Automatisierung der Bargeldprozesse sind mehr Sicherheit, vereinfachte Prozesse für die Mitarbeiter wie zum Beispiel geringerer Aufwand beim Einarbeiten von Mitarbeitern oder schnelles Öffnen und Schließen von Kassenlinien. „Die Automatisierung im Backoffice hilft dem Unternehmen, Kosten zu sparen und sich auf seine Kernaufgaben zu konzentrieren“, argumentiert Torsten Neumann, Produktmanager Retail Cash Management bei Diebold Nixdorf, Paderborn.

Bargeld bleibt

Obwohl der Anteil der Bargeldzahlung im Handel leicht rückläufig ist, bleiben die Anbieter von Cash-Management-Lösungen gelassen. Selbst wenn in den nächsten 10 bis 20 Jahren die Bargeldmenge insgesamt abnehmen sollte, würden die Händler weiterhin mit der Problematik des Bargeld-Handlings konfrontiert bleiben, heißt es bei Glory Global Solutions, Neu-Isenburg, einem der weltweit agierenden Player in diesem Markt.

Ein- und Auszahlungsautomaten an der Kasse bei Poco (Foto: Diebold Nixdorf)
Ein- und Auszahlungsautomaten an der Kasse bei Poco (Foto: Diebold Nixdorf)

Beim schwedischen Sicherheitsspezialisten Gunnebo, der in Deutschland von Garching aus operiert, verweist man auf die nach wie vor gültigen Vorteile der Bargeldzahlung für Konsumenten und Handel. Gemeint sind beispielweise die direkte Vereinnahmung des Kaufbetrages sowie die gebührenfreie Zahlung und die Anonymität. „Eine grundsätzliche Veränderung des Bezahlverhaltens ist deshalb nicht zu erwarten“, meint Patrick van Aart, Cash Handling Direktor Gunnebo EMEA (Europe, the Middle East and Africa). Der möglicherweise zunehmende Wettbewerb innerhalb des stationären Handels, ausgelöst durch den Onlinehandel, neue Technologien wie Mobile Payment und Smartphone-Apps sowie Veränderungen in der Bargeldversorgung stellen große und kleine Unternehmen vor die Frage, wie sie effiziente Prozesse und von Kunden geforderten Service in Einklang bringen können.

„Ausgangspunkt für viele Überlegungen ist dabei der Bezahlvorgang“, sagt van Aart. „Trends wie kontaktloses Bezahlen und der Rückzug der Bundesbank aus der Bargeldversorgung machen die Situation dabei für die Retailer immer komplexer. Nicht nur für den Handel verändert sich das Umfeld im Cash-Handling, auch für Werttransporteure, Prozessdienstleister und Banken ergeben sich neue Aufgaben. Sie werden stärker in das Cash-Recycling, die Weitergabe und Bearbeitung von Banknoten und Münzen aus dem Handel ohne Einbeziehung der Bundesbank eingebunden.“

Integrierte Systeme

Das Bargeld muss stets zuverlässig auf Echtheit und Umlauffähigkeit geprüft werden. Die regulatorischen Hürden für Werttransportunternehmen und Prozessdienstleister dafür sind hoch – eine Kooperation mit einem Finanzinstitut macht daher häufig Sinn. Patrick van Aart: „Eine Voraussetzung für solche Partnerschaften sind intelligente Cash-Handling-Systeme, die Bargeldprozesse effizienter gestalten und mit bestehenden Kassenlösungen kompatibel sind. Eine Lösung können geschlossene Bargeldkreisläufe vom Bezahlvorgang bis zur Abholung durch Werttransport- und Prozessdienstleister sein.“

Bei Glory Global Solutions fokussiert man sich darauf, das Produktportfolio noch stärker „in die Breite“ zu bringen. „Ziel ist es, neben unserem klassischen Handelsumfeld der Supermärkte künftig auch Bäckereien, Apotheken, Tankstellen und öffentliche Verkehrsbetriebe bis hin zu Hypermärkten oder Cash & Carry-Großhändler anzusprechen und je nach deren individuellen Anforderungen passgenaue Lösungen zu erarbeiten“, so Hagen Höhl, Head of Retail Europe bei Glory Global Solutions. Als ein Treiber der Branche gilt dabei der Hygiene-Aspekt beim Umgang mit Lebensmitteln im Handel. „Hier können Cash-Management-Systeme helfen, Bargeld und Lebensmittel strikt voneinander zu trennen“, so Höhl.

Ein weiteres Thema ist die wachsende Zahl an Self-Scanning- und Self-Checkout-Systemen mit der Anforderung einer integrierten Bargeldlösung. Der Verbraucher erwarte hier eine Bargeldfunktion, da insbesondere kleinere Warenkörbe überwiegend bar bezahlt werden, heißt es bei Diebold Nixdorf. Da die Versorgung mit Bargeld auch zunehmend am POS im Handel erfolge, müssten Funktionen wie Cash-Back oder ein „bedienter Geldautomat“ abgedeckt werden können.

„Wir sehen auch Bedarf bei Einzelhändlern im mittleren Umsatzsegment, die ihre Bareinnahmen heute noch überwiegend selbst zur Hausbank bringen. Für diese können integrierte Servicelösungen inklusive der Bargeldver- und -entsorgung, auch in Kooperation mit Banken, eine interessante Alternative sein.“

Fotos (2): Diebold Nixdorf, Glory

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org

Interview

Mehr Bargeld-Auszahlungen an den Handelskassen?

Mehr Bargeld-Auszahlungen an den Handelskassen?

Was empfehlen Sie Entscheidern aus dem Handel in puncto Auswahlkriterien für Cash-Handling-Lösungen?

Relevant sind die einfache Integration in bestehende Umgebungen, Usability, Ergonomie sowie Sicherheit, also der Schutz vor Manipulation und Überfall. Außerdem sollte die Sensorik skalierbar sein, insbesondere wenn Bargeld ausgezahlt wird. Wichtig sind außerdem integrierte Servicelösungen als Gesamtpaket, bestehend aus Bereitstellung, Integration, Wartung und Betrieb.

Vor welchen Herausforderungen sehen Sie Ihre Branche?

Es ist offensichtlich, dass die sich verändernden Rahmenbedingungen bei den Banken und die Dynamik bei der Entstehung von neuen Technologien die Geschäftsprozesse verändern. So haben Banken beispielsweise zunehmendes Interesse, ihren mittelständischen Einzelhandelskunden Lösungen bereitzustellen, mit denen die Bargeldver- und -entsorgung effizienter gestaltet werden kann. In ländlichen Regionen wird die Bargeldversorgung der Bevölkerung auf den Einzelhandel verlagert werden.

Manche Experten gehen von einem rückläufigen Anteil an Barzahlung aus. Was heißt das für Ihr Unternehmen?

Viele Studien zum Bezahlverhalten fragen lediglich Bezahlpräferenzen ab. Diese unterscheiden sich jedoch von dem tatsächlichen Bezahlverhalten. Eine andere Frage ist, über welche Kanäle die Bargeldversorgung der Bevölkerung zukünftig erfolgt und welche Verschiebungen es gibt. Es ist zu beobachten, dass Auszahlungen über Cash Back oder andere Modelle zunehmend an den Kassen im Handel erfolgt.