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My Enso beliefert seine Kunden teilweise auch über eigene Kioskwagen. (Foto: My Enso)
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My Enso: Der Kunde bestimmt das Sortiment

Der Online-Handel mit Lebensmitteln kommt in Deutschland bisher nicht so richtig in Gang. Inhärente Nachteile sind der fehlende sinnliche Kontakt mit der Ware, zeitliche Gebundenheit durch die Anlieferung sowie das Thema Versandkosten. Mit der Frage, wie ein Onlineshop für den Lebensmitteleinzelhandel aussehen kann, damit die Kunden ihn trotzdem gut annehmen, haben sich der Bremer Marktforscher Norbert Hegmann und der Marketing-Fachmann Thorsten Bausch befasst – und gründeten den Onlineshop My Enso, der sich derzeit in der Aufbauphase befindet.

My Enso ist ein interessantes Experiment. Das Bremer Unternehmen hat sich „People-Centricity“ auf die Fahnen geschrieben. Als Genossenschaft beteiligt My Enso seine Kunden („Pioniere“ genannt) am Unternehmen und holt sie „basisdemokratisch“ mit ins Boot – die Kunden können das Sortiment mitgestalten. Gleichzeitig bietet My Enso Herstellern und Anbietern einen Testmarkt, in dem sie direkt mit den Kunden kommunizieren und so ihr Sortiment weiterentwickeln können. Das Enso ist ein kalligraphisches Kreis-Symbol aus dem Zen-Buddhismus.

Geplant wurde My Enso 2016 von den Gründern als geschlossener E-Commerce-Testmarkt. Doch schnell entwickelte sich daraus die Idee, aus My Enso einen bundesweiten Online-Supermarkt zu machen. My Enso startete im Oktober 2017 vom Firmensitz Bremen aus mit der deutschlandweiten Gewinnung von „Pionieren“, mit denen zusammen der Onlineshop gestaltet werden soll. Für diese „Pioniere“ ging der Onlineshop Ende April 2018 aktiv. Bis zum Ende des laufenden Jahres nun soll der Shop zusammen mit den „Pionieren“ aufgebaut, ausgebaut und optimiert werden – für den Jahreswechsel 2018/2019 ist die Öffnung des Shops für die bundesweite Allgemeinheit geplant.

Aufbauphase mit „Pionieren“

Beim ersten „Pionier“-Treffen im Februar 2018 in Bremen wurde die Gründung der Genossenschaft My Enso Teilhaber eG bekanntgegeben. Jeder „Pionier“ kann Anteile zwischen 100 und 10.000 Euro erwerben und hat dann, wie bei Genossenschaften üblich, eine Stimme. Künftig soll auch ein Mitglied der Genossenschaft als Geschäftsführer von My Enso bestellt werden.

Die „Pioniere“ sollen den Shop, die Auslieferung und die Services aktiv mitgestalten. Ein Mittel dafür ist eine Ende März gestartete „Wunschplattform“. Alle eingegangenen Wünsche, zum Beispiel für die Aufnahme eines bestimmten Produkts, werden hier diskutiert, dann wird darüber abgestimmt. Was eine Mehrheit findet, wird umgesetzt. Für ihre Mitarbeit bekommen die „Pioniere“ Gutscheine oder auch Genossenschaftsanteile. „Pioniere“ beteiligen sich freiwillig und können ihr Engagement jederzeit widerrufen, unterschreiben aber einen „Wertekodex“.

Seit Ende April nun können die „Pioniere“ aus einem Sortiment von rund 25.000 Supermarkt-Artikeln einkaufen. Das Sortiment soll sukzessive auf 100.000 Artikel ausgebaut werden, auch Nonfood-Artikel sollen erhältlich sein. My Enso hat sich insbesondere zum Ziel gesetzt, Spezialanbietern und Start-ups den Zugang zum Markt zu eröffnen.

Testmarkt

Was den Marktforschungsaspekt angeht, heißt es im Unternehmen: „My Enso liefert Herstellern gemeinsam mit den Kunden permanent aktualisierte Insights über Markt, Bedürfnisse, Wünsche, Verhaltensweisen und Trends, um den Kunden besser zu verstehen. My Enso möchte dafür sorgen, dass Hersteller und Kunden in direkten Kontakt treten. Hersteller können ihre Ideen zusammen mit den Pionieren ausprobieren. Durch den direkten Kontakt zu den Kunden sind Testmärkte schnell etabliert.“

Das Logistikzentrum von My Enso wird im Speicherhof der Bremer Überseestadt mit Einsatz moderner Robotik-Lösungen aufgebaut. Von dort aus werden die Pakete deutschlandweit ausgeliefert. Das Lagergebäude umfasst rund 100.000 qm. Auch was das Marketing und die Kommunikation angeht, beschreitet My Enso neue Wege. Im Dezember 2017 launchte das Unternehmen das Bewegtbild-Format „Foodpioniere“ auf Youtube. Pro Monat werden vier bis sechs neue Food-Produkte vorgestellt. Start-ups, Spezialsortimenter und Markenhersteller werden in ein Studio eingeladen und können ihre Produkte und Spezialitäten persönlich präsentieren. Die Verbraucher stimmen online darüber ab, welches Produkt ins Sortiment aufgenommen wird.

Foto: My Enso

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org