Anzeige
TIBCO
Anzeige
HP
Eine Differenzierung über den Zahlungsmix ist für Händler daher kaum noch möglich. (Foto: Fotolia/Konstantin Yuganov)
A- A A+
Payment  |

Abwägen zwischen Quantität und Qualität

Eine Differenzierung über den Zahlungsmix ist für Händler daher kaum noch möglich. Stattdessen gilt es nun, an der Nutzerfreundlichkeit der Bezahlprozesse zu feilen. Bei Cyberport beispielsweise, einem führenden deutschen Onlinehändler, kann der Einkauf seit August nun auch per Rechnung bezahlt werden. Damit reagiert der Technik-Händler auf einen Trend, der sich seit einiger Zeit im Markt abzeichnet. Lange war der Rechnungskauf nur vereinzelt im Zahlungsmix der Händler zu finden. Mit zunehmender Nachfrage auf Kundenseite avanciert die Zahlungsart jedoch von der Kür zum Pflichtelement. Die ursprüngliche Sorge vor hohen Zahlungsausfällen ist der Sorge vor noch höheren Einbußen durch Kaufabbrüche gewichen, wenn der Kunde seine bevorzugte Zahlungsart im Shop nicht vorfindet.

Rechnungskauf vorne

Inzwischen bieten daher 680 der 1.000 umsatzstärksten Onlineshops ihren Kunden die Möglichkeit, den fälligen Rechnungsbetrag erst nach Erhalt der Ware zu begleichen, so die Ergebnisse der EHI-Studie „Online-Payment 2017“. Dass zudem knapp ein Drittel (30,5 %) des E-Commerce-Umsatzes über den Rechnungskauf erzielt wird, verdeutlicht die Bedeutung der Zahlungsart als Umsatztreiber eines Onlineshops. Ebenfalls zweistellige Umsatzanteile erwirtschaften nur Lastschrift (20,2 %), Paypal (17,9 %) und Kreditkarten (12,2 %). Alle übrigen Zahlungsdienste liegen unterhalb der 5-Prozent-Marke.

Mit Einführung des Rechnungskaufs stehen den Cyberport-Kunden im Checkout nun 11 unterschiedliche Zahlungsalternativen zur Verfügung. Mit diesem breiten Portfolio liegt der Händler ebenfalls im Trend. Durchschnittlich konnten Kunden in den Top-1.000-Onlineshops im vergangenen Jahr aus 7 unterschiedlichen Zahlungsdiensten wählen, so die Studienergebnisse. Die Top-10-Händler boten sogar im Schnitt knapp 9 unterschiedliche Dienste an.

Weitere Dienste

In vielen Onlineshops sollen 2018 weitere Dienste implementiert werden – allen voran Paydirekt und Amazon Pay. Paydirekt, den gemeinschaftlichen Bezahldienst der Deutschen Kreditwirtschaft planen 34 Prozent der vom EHI befragten Händler einzuführen, die Wallet aus dem Hause Amazon wollen künftig 22 Prozent anbieten.

Grunsätzlich sind sich die Zahlungsangebote der meisten Onlineshops sehr ähnlich. Eine Abgrenzung über einen speziellen Payment-Mix ist somit nur noch schwer möglich. Differenzierungspotenzial bietet sich stattdessen beispielsweise über möglichst schnelle und einfache Bezahlprozesse. Auch Jens Lippert, Leiter Unternehmensentwicklung und Changemanagement bei Cyberport äußert im persönlichen Gespräch die Zielsetzung: „Wir dürfen uns nicht in der Vielzahl der Angebote verlieren. Es ist zwar hilfreich, eine möglichst breite Palette an Zahlungsdiensten im Portfolio zu haben. Der nächste Schritt sollte es nun aber sein, im Bezahlprozess eine an den Kunden und an das Endgerät angepasste Vorselektion der Zahlungsdienste vorzunehmen.“

Viele Teilnehmer der Online-Payment-Studie sind dies bezüglichbereits auf einem guten Weg. Gut zwei Drittel der befragten Onlineshop-Betreiber hat den Checkout schon heute komplett (48 %) oder teilweise (19 %) für die Nutzung mit mobilen Endgeräten optimiert, ein weiteres Viertel hat eine solche Anpassung bereits in der Planung.

Express-Checkout

Ähnlich verhält es sich mit dem Angebot von Express-Checkout-Lösungen. 39 Prozent der Studienteilnehmer bieten ihren Kunden schon heute die Möglichkeit, den mehrstufigen Prozess der Dateneingabe zu überspringen und den Kauf mit nur wenigen Klicks abzuschließen. Voraussetzung hierfür ist lediglich, dass der Kunde seine Lieferdaten und Zahlungspräferenzen einmalig bei dem jeweiligen Anbieter hinterlegt. Ein weiteres Viertel der befragten Händler gibt zudem an, dass sich eine solche Lösung (z. B. Paypal Express) in der Planung befindet. Optimierungspotenzial besteht dagegen in Bezug auf eine aktive Zahlarten-Steuerung. Nur gut ein Viertel der Studienteilnehmer spielt jedem Kunden ein individuell angepasstes Zahlungsangebot aus oder beabsichtigt, dies zeitnah zu tun.

Wir dürfen uns nicht in der Vielzahl der Angebote verlieren.
Jens Lippert
Leiter Unternehmensentwicklung und Changemanagement Cyberport

Die Nutzerfreundlichkeit von Bezahlprozessen erlangt einmal mehr Relevanz, wenn mit Umsetzungspflicht der Payment Service Direktive 2 (PSD2) in 2018 für zahlreiche Zahlungsverfahren eine starke Authentifizierung des Kunden (SCA) verpflichtend wird. Ähnlich wie heute schon im Rahmen von 3D-Secure bei Kreditkartenzahlungen können Zahlungen dann nur veranlasst werden, wenn sich der Kunde über zwei unterschiedliche Merkmale aus den Bereichen Wissen, Besitz und Inhärenz ausweist.

Es wäre schön, zur Umsetzung der starken Authentifizierung mehr Transparenz zu erhalten, um insbesondere die Customer Journey und Conversion Rate nicht zu gefährden.
Laura Treude
Head of Online-Payment Douglas

Die Studienteilnehmer äußern diesbezüglich große Bedenken und fürchten hohe Abbruchraten. In welcher Form die SCA am Ende tatsächlich umgesetzt wird, scheint zum aktuellen Zeitpunkt allerdings noch immer offen. Eigentlich sind hier Zahlungsdienste, Payment-Dienstleister und Banken in der Pflicht. Diese halten sich bisher allerdings eher bedeckt. „Ich würde mir wünschen, konkrete Information zu erhalten, was geplant ist und an welcher Stelle wir als Händler aktiv werden müssen“, richtet auch Laura Treude, Head of Online-Payment bei Douglas einen Appell in Richtung der Verantwortlichen.

Die EHI-Studie „Online-Payment 2017“ ist erhältlich zum Preis von 465,00 Euro zzgl. MwSt: vertrieb@remove-this.ehi.org
Infos unter: www.ehi.org/zahlungssysteme

Foto: Fotolia/Konstantin Yuganov
Grafiken (2): EHI

Weitere Informationen: frigge@remove-this.ehi.org