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Zahlungsgewohnheiten sind in den europäischen Ländern sehr unterschiedlich. (Foto: Fotolia/Andrey Popov)
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Briten führend bei Kartenzahlung

Für Händler, die international erfolgreich sein wollen, gilt es, den Zahlungsmix an die Bedingungen der Zielmärkte anzupassen. Ob es länderübergreifende Payment-Trends gibt bzw. welche nationalen Besonderheiten online und stationär berücksichtigt werden sollten, hat der Europa-Payment-Report 2016/2017 ermittelt.

Deutliche Unterschiede lassen sich beim Vergleich der elf untersuchten Länder (Belgien, Deutschland, Frankreich, Vereinigtes Königreich (UK), Italien, Niederlande, Österreich, Polen, Schweiz, Spanien und Tschechien) beispielsweise in Bezug auf die Nutzung von Kredit- und Debitkarten erkennen. Die durchschnittliche Anzahl der Karten pro Einwohner beispielsweise reicht von 0,9 in Polen über 1,5 in Spanien bis hin zu 2,5 in UK. Die Briten können daher als Meister der Kartenzahlung gekürt werden. Im Jahr 2015 zückte jeder Brite im Schnitt 226-mal seine Karte, um damit zu bezahlen. Im Vergleich der betrachteten Länder liegt das Vereinigte Königreich nicht nur bei der Anzahl, sondern auch beim Wert der Kartenzahlung pro Kopf mit 14.017 Euro auf Platz eins. Auch der durchschnittliche Wert der Kartenzahlungen fällt in UK mit 62 Euro im Ländervergleich recht hoch aus. Höhere Werte wurden nur für Deutschland (67 Euro), Italien (69 Euro) und die Schweiz (77 Euro) ermittelt.

Aus den niedrigen durchschnittlichen Zahlungsbeträgen in Polen (17 Euro), Tschechien (26 Euro) und den Niederlanden (34 Euro) lässt sich dagegen ablesen, dass Karten dort regelmäßig auch bei kleinen Bons zum Einsatz kommen.

Gemeinsamkeiten lassen sich bei den Ländern Polen, Tschechien und den Niederlanden auch in Bezug auf die Nutzung unterschiedlicher Karten festmachen. In allen drei Ländern machen Debitkarten einen Anteil von über 80 Prozent des Kartenumsatzes aus. Damit ist die Tendenz zur Debitkarten-Dominanz in diesen Ländern besonders ausgeprägt. Aber auch im Großteil der anderen untersuchten Länder sind Debitkarten mit einem Umsatzanteil zwischen 60 und 80 Prozent derzeit die marktdominierenden Karten. Eine Ausnahme bilden die Schweiz und Spanien. Dort entfällt fast die Hälfte (44 bzw. 48 Prozent) des Kartenumsatzes auf Kreditkarten.

Nationale Zahlungsdienste dürfen in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden.
Dorothee Frigge
Projektleiterin Online- und Mobile-Payment EHI Retail Institute

In Zukunft könnten sich andere Länder dieser Verteilung annähern. Länderübergreifend lässt sich nämlich beobachten, dass Kreditkarten in den vergangenen Jahren stetig an Relevanz gewonnen haben. Da auch die Deckelung der Interbankenentgelte die Position der Kreditkarten gestärkt hat, ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt.

Kreditkarten spielen auch im E-Commerce eine bedeutende Rolle. Obwohl Onlinehändler in Europa aus über 240 unterschiedlichen Zahlungsdiensten wählen können, lassen sich doch in allen untersuchten Ländern Kreditkarten als eines der Top-Zahlungsmittel identifizieren. Für Händler sind diese Karten nicht zuletzt interessant, da sie aufgrund ihrer internationalen Verbreitung auch grenzüberschreitend zum Einsatz kommen können. Nichtsdestoweniger dürfen auch die landesspezifischen Vorlieben der Kunden im Zahlungsmix nicht unberücksichtigt bleiben.

Die Bedeutung nationaler Online-Zahlungsdienste wird vor allem am Beispiel der Niederlande deutlich. Während die in Deutschland so erfolgreiche Online Wallet PayPal dort nur einen Anteil von 5 % erreicht, werden 56 Prozent aller niederländischen Zahlungen über „iDEAL“, den Onlineüberweisungsdienst der niederländischen Banken abgewickelt.

Foto: Fotolia/Andrey Popov
Grafik: EHI

Weitere Informationen: frigge@remove-this.ehi.org

Interview

Komplexer Zahlungsverkehr

Nicole Mantow: General Manager EVO Payments International
Nicole Mantow: General Manager EVO Payments International

Welches sind die drei wichtigsten Payment-Fragen, mit denen sich ein Händler im Rahmen seiner Internationalisierungsstrategie auseinandersetzen sollte?

Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen, die einen Onlineshop betreiben, ist der grenzüberschreitende Handel mit hohem Aufwand verbunden. Der Händler muss die Frage nach den Märkten und Branchen, in denen er präsent sein möchte, stellen. Welche Zielgruppen sollen bedient werden und wie bezahlen diese in der Regel? Es herrscht eine große Unsicherheit bezüglich Auswahl der richtigen Bezahlverfahren, rechtlicher und regulatorischer Aspekte sowie der Kosten.

Welche Bedeutung haben nationale Zahlungsdienste?

In den Niederlanden gilt „iDeal“, der Online-Zahlungsdienst der Banken, als positives Beispiel für erfolgreiches nationales Online-Payment. In Deutschland wird Paydirekt als vergleichbares Angebot etabliert. Die speziellen Bedürfnisse und Vorlieben der Verbraucher sind der Grund für nationale Angebote in den Portfolios der europäischen Onlinehändler. Ein europaweit einheitlicher Online-Payment-Mix existiert nicht. Ein Händler, der die führenden drei bis vier Zahlverfahren des Zielmarktes abdeckt, ist gut aufgestellt. Darüber hinaus gehören international einsetzbare Zahlmittel wie Kreditkarten oder Paypal in das Portfolio.

Welche Chancen und Herausforderungen gehen für Acquirer und Payment Service Provider mit der zunehmenden Internationalisierung einher, und welche Konsequenzen haben diese für die Händler?

Internationalisierung, Regulierung, neue Marktteilnehmer – das alles sind Themen, die Chancen und Herausforderungen zugleich bieten. Uns ist es wichtig, gemeinsam mit dem Händler seine Bedürfnisse zu ermitteln und ihn umfassend zu beraten.

EHI-Studie: Europa-Payment- Report 2016/2017

ISBN 978-3-87257-467-1
Preis: 980,00 € zzgl. MwSt
Ebenfalls erhältlich: PDF inkl. Firmenlizenz.
Englische Ausgabe (ab Mai 2017)


Mehr Infos unter: www.ehi-shop.de/zahlungssysteme
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