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Laut Befragung wird sich das Bezahlen mit dem Smartphone insbesondere im Lebensmittelhandel und an Tankstellen etablieren. (Foto: iStock/LDProd)
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Vielversprechende Perspektiven

Mobile Services gewinnen in der Digitalstrategie von stationären Händlern derzeit enorm an Bedeutung. Während die Services rund um mobile Endgeräte laut den Ergebnissen der Studie „Mobile in Retail 2017“ derzeit nur bei knapp einem Viertel der befragten Händler von Relevanz ist, geben fast doppelt so viele an, dass diese Services künftig in der digitalen Strategie ihres Unternehmens eine starke (43 %) oder sehr starke (43 %) Rolle spielen werden. Gut zwei Drittel (68 %) der Handelsexperten sehen in mobilen Services sogar den Kern für die Umsetzung einer erfolgreichen Omnichannel-Strategie. Entsprechend hat knapp die Hälfte der befragten Händler den mobilen Kanal bereits in die eigene kanalübergreifende Strategie eingebunden (25 %) oder ist derzeit dabei (18 %). Ein weiteres Drittel plant die Einbindung innerhalb des nächsten Jahres (16 %) oder zumindest langfristig (16 %). Nur bei 2 Prozent der Befragten ist eine solche Einbindung bisher nicht vorgesehen.

Wunsch und Realität

Trotz dieser ambitionierten Pläne räumen allerdings auch knapp zwei Drittel der Händler (63 %) ein, dass die Omnichannel-Fähigkeiten ihres Unternehmens zum aktuellen Zeitpunkt nur befriedigend (36 %) oder sogar schlechter seien. Die größte Hürde für die Umsetzung einer solchen Strategie liegt für 40 Prozent der Befragten derzeit in der Bereitstellung einer einheitlichen User Experience über alle Kanäle hinweg. Aber auch ein unzureichendes Change Management im Unternehmen (33 %), hohe Kosten (31 %) und komplexe Prozessebei der Kanalsteuerung und -integration (27 %) bremsen die Omnichannel-Bestrebungen derzeit noch aus.

Auch in der sechsten Auflage der Studie, die das EHI jährlich für GS1 Germany durchführt, bewerten die HandelsexpertenMobile Payment als vielversprechenden mobilen Service mit Potenzial für den POS. Sie gehen davon aus, dass sich das Bezahlen mit dem Handy insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel und an Tankstellen etablieren wird. Aber auch in der Gastronomie und bei Drogeriemärkten rechnen sie künftig vermehrt mit mobilen Transaktionen. Auch wenn Bargeld ihrer Einschätzung nach nicht durch Mobile Payment verdrängt wird, so rechnet doch etwa die Hälfte der Studienteilnehmer (44 %) damit, dass im Jahr 2020 bereits zwischen 10 und 25 Prozent aller Kunden am POS mobil bezahlen werden. Ein weiteres Viertel der Befragten geht sogar davon aus, dass es bis zu 50 Prozent der Verbraucher sein werden.

Mehrheit rechnet mit Apple Pay

Zum aktuellen Zeitpunkt fehlt es in Deutschland allerdings noch an flächendeckend verfügbaren Verfahren. Dies wird sich nach Einschätzung der Studienteilnehmer aber im Laufe der nächsten zwei Jahre ändern. 75 Prozent der Befragten rechnen damit, dass bis Ende 2019 die Mobile Payment-Verfahren von Apple, Google und Samsung hierzulande verfügbar sein werden. Mit Apple Pay rechnen sie dabei tendenziell als Erstes: 73 Prozent glauben, dass der Bezahldienst von Apple 2018 in Deutschland eingeführt wird; 5 Prozent rechnen sogar noch 2017 damit.

Der Einschätzung der Händler zufolge werden die deutschen Banken und Sparkassen den großen internationalen Unternehmen das Feld nicht kampflos überlassen. Auch ihnen traut man ab 2018 sukzessive die Einführung von Mobile Payment-Verfahren zu. Ferner sind 74 Prozent der Handelsexperten der Meinung, von Seiten der Banken seien die wesentlichen Voraussetzungen für die Umsetzung von Mobile Payment geschaffen – diese gelte es nun allerdings noch nachzubessern. Tatsächliche Defizite sehen die befragten Händler dagegen primär in den eigenen Reihen. Was die Akzeptanz angeht, bewertet der Großteil der Studienteilnehmer die aktuelle Situation der Bereitstellung von Mobile-Payment-Services selbstkritisch nur als ausreichend (19 %) oder befriedigend (28 %). Ein Viertel stuft sie sogar als mangelhaft (19 %) oder ungenügend (5%) ein. Lediglich knapp ein Drittel empfindet die Situation derzeit als gut (28 %) oder sehr gut (5 %). Was fehlt, sind den Kritikern zufolge vor allem die technischen Voraussetzungen und eine flächendeckende Akzeptanz. Aber auch das Vertrauen in die neuen Technologien und die notwendige Kommunikation mit den Kunden lasse noch zu wünschen übrig.

Profitieren können die deutschen Händler künftig gegebenenfalls von der Erfahrung und der Reichweite der großen internationalen Internetunternehmen. Diese werden von den befragten Händlern nämlich nicht prinzipiell als Konkurrenz angesehen, sondern gehen tendenziell als potenzielle Partner aus den aktuellen Studienergebnissen hervor. Dies gilt insbesondere für We Chat, Facebook und Google, denen jeweils über 60 Prozent der befragten Handelsexperten in Bezug auf Mobile Payment eine partnerschaftliche Rolle zuweisen. Mit den großen Onlinehändlern Amazon und Alibaba möchte man sich hingegen nicht verbünden. Insbesondere mit Amazon wären lediglich 23 Prozent der Handelsexperten zu einer Partnerschaft bereit.

Foto: iStock/LDProd
Grafiken: EHI/GS1 Germany

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org

Mobile in Retail: Status quo des Mobile Commerce

Mit der Studie „Mobile in Retail“ ermittelte das EHI bereits im sechsten Jahr in Folge im Auftrag von GS1 Germany den Status quo des Mobile Commerce in Deutschland. Neben Mobile Payment wurden in der umfangreichen Studie außerdem die Themenkomplexe P2P-Payment, Sepa Instant Payment, Bargeld, Mobile Marketing, Media & Advertising, Omnichannel, Mobile Services am POS, Customer Journey und Conversational Commerce betrachtet. Zusätzlich zu der hier betrachteten Zielgruppe der Händler (POS-Experten) enthält die Studie außerdem Einschätzungen von Herstellen, Zahlungsdienstleistern, Banken, der Deutschen Kreditwirtschaft, Kreditkartenorganisationen und von Mobilfunknetzbetreibern.

Die Kernaussagen der Studie stehen unter https://go.ehi.de/GS1-Mobile-in-Retail-Kernaussagen zum kostenfreien Download bereit. Die gesamte Studie wird ebenfalls zeitnah auf www.ehi.org und www.gs1-germany.de kostenfrei verfügbar sein.