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Die meisten Delikte werden durch Planenschlitzen oder Aufbrechen der Türen begangen. (Foto: istock/ Gregory_DUBUS)
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Prävention gegen Ladungsdiebstahl

Alltag auf Deutschlands Straßen: Ein unbeleuchteter Autobahnparkplatz, ein Lkw reiht sich an den anderen. Ein Kleintransporter fährt auf den Parkplatz und hält neben einem der Lkws. In wenigen Sekunden schlitzt ein Täter mit einem Teppichmesser ein Loch in die Plane. Findet er interessante Ware, wird diese innerhalb weniger Minuten in den Transporter umgeladen. Wenn nicht, wird der nächste Lkw geschlitzt.

Durch Ladungsdiebstahl werden jedes Jahr Milliardenschäden verursacht. Trotzdem ist das Delikt in der Öffentlichkeit relativ unbekannt. Einerseits liegt dies an der polizeilichen Erfassung, die polizeiliche Kriminalstatistik weist das Deliktfeld Ladungsdiebstahl nicht gesondert aus. Dadurch werden diese Taten je nach Modus Operandi als Diebstahl, Raub oder Betrug gewertet. Erschwerend kommt hinzu, dass ein hoher Anteil der betroffenen Unternehmen von einer Meldung der Diebstähle absieht. Dies wird u.a. mit Imageschäden, Zeitproblemen und dem Kosten-Nutzen-Verhältnis (kaum ein Fall wird aufgeklärt) begründet.

Es wird alles gestohlen, was auf dem Lkw zu finden ist.
Niels Beuck
Geschäftsführer DSLV Deutscher Speditions- und Logistikverband

Die Täter kommen überwiegend aus dem Bereich der organisierten Kriminalität und agieren hochprofessionell. In mobilen Teams werden Rastplätze angefahren und nach Ware gesucht, die sich unproblematisch und profitabel absetzen lässt. Dabei konzentrieren sich die Tätergruppen schon lange nicht mehr auf hochwertige Waren, vielmehr wird alles gestohlen, was auf dem Lkw zu finden ist.

Planenschlitzen

Die meisten Delikte (über 70 %) werden als Einbruch begangen (Planenschlitzen oder Aufbrechen der Türen). Weniger oft wird Gewalt angewendet, indem der Lkw während der Fahrt gestoppt wird. Die häufigsten Tatorte sind ungesicherte Parkplätze, Raststätten und Autohöfe entlang der Autobahnen. In den Bereich des Betrugs fällt das Phänomen des Phantomfrachtführers, bei dem ein „Frachtführer“ unberechtigt Ware abholt. Täter wählen zum Beispiel folgende Vorgehensweisen: ‚

  • Sie geben sich als Mitarbeiter bekannter Transportunternehmen aus (Identitätsdiebstahl). ‚
  • Sie gründen Scheinfirmen. ‚
  • Sie erwerben etablierte Transportunternehmen inklusive Zugang zu Frachtenbörsen, Dokumenten und Referenzen.

Einige Beispiele aus 2018:

  • In Russland stahlen Täter einen ganzen Lkw mit Tabakprodukten im Wert von 1,1 Mio. Euro, während der Fahrer seine Papiere beim Zoll vorlegte. ‚
  • In Großbritannien wurde durch Planenschlitzer Kleidung im Wert von 410.000 Euro gestohlen. ‚
  • In Deutschland hat ein Phantomfrachtführer 3 Lkw-Ladungen mit Reifen im Wert von 210.000 Euro gestohlen.

Die „Arbeitsgemeinschaft Diebstahlprävention in Güterverkehr und Logistik“ (ARGE) hat durch eine qualifizierte Schätzung die Schadenshöhe des Ladungsdiebstahls in Deutschland für das Jahr 2016 errechnet. Auf Basis der Anzahl der Lkw-Fahrten in Deutschland und der gemeldeten Ladungsdiebstähle wurde der volkswirtschaftliche Schaden ermittelt. Insgesamt wurden 25.692 Schadensfälle errechnet. Dies entspricht einem Anteil von 0,009 Prozent der gesamten Lkw-Fahrten in Deutschland. Im Jahr 2016 belief sich der direkte Warenschaden auf geschätzt 1,3 Mrd. Euro. Der dadurch entstandene wirtschaftliche Gesamtschaden lässt sich auf 2,2 Mrd. Euro für 2016 beziffern – der wirtschaftliche Schaden ergibt sich aus dem direkten Schaden und den daraus resultierenden Folgekosten wie zum Beispiel: ‚

  • medizinische Versorgung/psychologische Betreuung von Mitarbeitern (Kraftfahrern, Lagerarbeitern) ‚
  • Umsatzverluste ‚
  • Bandstillstände/Produktionsausfälle ‚
  • Konventionalstrafen für Lieferverzögerungen ‚
  • Kosten für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ‚
  • Kosten für die Reparatur oder den Ersatz des Transportmittels bzw. des Ladungsträgers

Die große Menge der Vorfälle betrifft kleinere Schäden bis zu 50.000 Euro, diese machen knapp 70 Prozent der Schäden aus, während Schäden bis 250.000 Euro etwa 27 Prozent ausmachen.

Diese aufgrund einer Schätzung generierten Daten hat der Deutsche Speditionsund Logistikverband (DSLV) für das Jahr 2017 durch eine Befragung seiner Mitgliedsunternehmen verifizieren können. Demnach wurden in Deutschland im Jahr 2017 insbesondere Technologie und Elektronik (23 %) aus Lkws gestohlen. Bei 21 Prozent der erbeuteten Güter handelte es sich um Einzelhandelswaren wie zum Beispiel Kleidung. Zusammen 17 Prozent machten Nahrungsmittel und Getränke aus.

Präventionsmaßnahmen

Die Logistik reagiert mit diversen Präventionsmaßnahmen wie zum Beispiel den Standards der Transported Asset Protection Association (TAPA). Der DSLV hat den Sicherheitsstandard s.a.f.e. erarbeitet und umgesetzt, um Ladungsdiebstähle einzudämmen und Verlustraten zu reduzieren. Auch auf EU-Ebene versucht man, die Wirtschaft bei der Erhöhung der Sicherheit zu unterstützen. Um dies zu erreichen, ist Anfang 2018 unter dem Namen Roadsec ein Toolkit mit Hinweisen veröffentlicht worden, wie man sich vor Tätern schützen kann. Das größte Risiko bleibt ein ruhendes Fahrzeug. Den Fahrern wird daher insbesondere geraten: ‚

  • riskante Routen von vornherein zu meiden
  • weder Route noch Details zur Ladung jemandem mitzuteilen ‚
  • nur sichere und gut ausgeleuchtete Parkplätze anzufahren ‚
  • sich vor Täuschungsversuchen in acht zu nehmen (z. B. gefälschte Dokumente oder ein vorgetäuschter Unfall)

Mut macht das im Juli 2018 ins Leben gerufene „Projekt Cargo“ des LKA Sachsen- Anhalt. Im Schulterschluss zwischen Polizei, Ministerien und der Industrie will man gemeinsam den Straßengüterverkehr besser schützen und die Strukturen der organisierten Kriminalität zerschlagen.

Foto: istock/Gregory_DUBUS
Grafik: DSLV Abfrage zum Ladungsdiebstahl 2017

Weitere Informationen: Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.dslv.org