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Digitale Zutrittslösungen können den klassischen Schlüssel ersetzen. (Foto: Salto Systems)
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Smartphone statt Schlüssel

Eine Wohnungstür, die sich von selbst öffnet, wenn der Paketbote bestellte Ware liefert – was hierzulande noch wie eine Zukunftsvision klingt, ist für Amazon-Kunden in den USA seit wenigen Monaten Realität. Unter dem Namen Amazon Key bietet der E-Commerce-Konzern seit November 2017 Lieferservice bis in die Wohnung, auch wenn niemand zu Hause ist. Um den neuen Dienst zu nutzen, benötigen die Kunden ein smartes Türschloss, das mit dem Amazon-System vernetzt wird. Die Zusteller identifizieren sich per Handheld-Scanner und GPS. Passen Paket- und Positionsdaten zusammen, wird die Tür aus der Ferne entriegelt, das Paket kann in der Wohnung abgelegt werden. Bislang wird Amazon Key in 37 US -Städten angeboten. Ob und wann das Angebot international ausgerollt wird, ist noch offen.

In Deutschland ist Smart-Home-Technologie derzeit noch kein Massenmarkt. Rund 10 Prozent aller Haushalte besitzen laut Smart Home Index 2017 beispielsweise vernetzte, digitale Tür- oder Fensteröffner. Dienste wie Amazon Key haben noch weiteres Potenzial. Neben Paketen könnten künftig beispielsweise auch frische Lebensmittel lückenlos gekühlt bis in den Kundenkühlschrank geliefert werden. Zudem ermöglicht die digitale Zutrittstechnologie neue Geschäftsmodelle. So könnten Kunden künftig auch Handwerker, die Putzfrau oder den Heizungsableser ohne Schlüssel einlassen. Amazon will dazu mit entsprechenden Dienstleistern kooperieren.

Transparenz und Sicherheit

Zwar dürfte es noch etwas dauern, bis Einzelhändler in Deutschland innovative Kundenservices auf Basis digitaler, ferngesteuerter Türschlösser anbieten können. Doch auch innerhalb von Unternehmen gibt es für die smarten Schlösser Einsatzmöglichkeiten. Schon heute besteht die Möglichkeit, digitale Zutrittslösungen in Filialen und Firmengebäuden als Alternative zu klassischen Schlüsseln oder Mitarbeiterausweisen zu nutzen. Mehr Transparenz und Sicherheit versprechen die zentral gemanagten digitalen Lösungen. So ist jederzeit nachvollziehbar, wer wann welche Tür geöffnet hat.

Das Smartphone als Zutrittsmedium: Verwaltung der Zutrittsrechte über eine App (Grafik: T-Systems)
Das Smartphone als Zutrittsmedium: Verwaltung der Zutrittsrechte über eine App (Grafik: T-Systems)

Zutrittsberechtigungen für die eigenen Mitarbeiter, für externe Servicekräfte, beispielsweise Techniker oder Reinigungspersonal, für Besucher oder Lieferanten lassen sich zentral verwalten, anpassen oder löschen, beispielsweise wenn Mitarbeiter ausscheiden oder versetzt werden.

„In vielen Branchen lassen sich mit einer zentralen Zutrittslösung Prozesse optimieren, so auch im Handel“, sagt Marc Rentrop, Vertriebsleiter für Deutschland bei Salto Systems in Wuppertal. Der Hersteller elektronischer Zutrittslösungen präsentierte auf der EuroCIS 2018 sein cloudbasiertes System „Salto KS “. Wenn zum Beispiel außerhalb der Öffnungszeiten Ware angeliefert werden soll oder anstelle des Filialleiters ausnahmsweise ein Stellvertreter den Laden oder das Lager aufschließen muss – die entsprechende Zutrittsberechtigung kann aus der Zentrale übermittelt oder die Tür auf Anforderung aus der Ferne entriegelt werden.

Verwaltung aus der Cloud

„Die Verwaltung erfolgt online oder per App komplett aus der ‚Salto KS Cloud‘, eine Software-Installation ist nicht erforderlich“, so Rentrop. Was den Hardware-Aufwand angeht, müssen die eingebundenen Türen wahlweise mit elektronischen Zylindern oder Beschlägen ausgestattet werden. Beide Komponenten sind batteriegetrieben und werden ähnlich wie private Smart-Home-Komponenten per Funk über einen zentralen Hub angesteuert. Schranken, Fahrstühle, Rolltore oder andere Einlässe, an denen keine funkbasierten Zylinder oder Beschläge angebracht werden können, lassen sich alternativ über einen Wandleser mit Kabelverbindung zum Schließmechanismus oder mit einem Tastaturfeld für die Eingabe von Zugangscodes in das Zutrittssystem integrieren. Als Zutrittsmedium dienen bei Salto verschlüsselte RFID-Tags. Ergänzend können Zutrittsrechte auch ans Smartphone gesendet werden.

Auch das neue mobile Zutritts- und Identitätsmanagement „Mobile Identity & Access MIA“ von T-Systems setzt auf das Smartphone als Zutrittsmedium. Geht ein Gerät verloren, können die Zutrittsrechte in Echtzeit gelöscht werden, ohne dass Kosten für den Austausch von Schließsystemen oder die Neuanfertigung von Schlüsseln anfallen. Zu den Pilotkunden der neuen Lösung gehört das Marktkauf-Center im norddeutschen Adendorf rund 60 km südöstlichvon Hamburg. Das SB-Warenhaus nutzt „MIA“ derzeit vor allem, um die Logistik zu optimieren. Die eigenen Mitarbeiter und externe Kräfte der verschiedenen Marktkauf-Lieferanten erhalten dazu digitale Schlüssel, die aus der deutschen Telekom-Cloud zur Verfügung gestellt werden. Dadurch kann Ware flexibel angeliefert werden, auch ohne dass eigene Mitarbeiter vor Ort sind – fast wie die Pakete von Amazon.

Foto: Salto Systems
Grafik: T-Systems

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org