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Der kommunale Zweckverband Steinwald-Allianz in Bayern hat kreative Ideen für die Infrastruktur-Förderung im ländlichen Raum. (Foto: Fotolia.com/candy1812)
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Online-Lieferdienst: Aus dem Land für das Land

Der ländliche Raum steht, bedingt durch den demografischen Wandel und eine hohe Wegzugsrate gerade unter den jüngeren Menschen vor großen Herausforderungen. Während die Versorgungsangebote in den Städten zunehmen, steht das Land vor immer größer werdenden Versorgungslücken. Dies insbesondere in der Lebensmittel-Nahversorgung, aber auch in der gesundheitlichen Versorgung sowie in Hinblick auf Mobilitätsangebote.

Ein Beispiel ist die Steinwald-Allianz: Der kommunale Zweckverband besteht aus 16 Mitgliedsgemeinden und befindet sich im Landkreis Tirschenreuth im Nordosten von Bayern. Er zählt rd. 40.000 Einwohner und umfasst eine sehr große Fläche. Die Bürger, die sich auf über 100 Ortschaften und Ortsteile verteilen, müssen teilweise sehr weite Wege zu Versorgungseinrichtungen zurücklegen.

Schon heute ist die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Services in vielen dieser Ortsteile lückenhaft: Zwischen 2005 und 2015 sank die Zahl der Lebensmittelgeschäfte in der Region um 28 Prozent. Da zudem die Prognose bis 2032 einen deutlichen Bevölkerungsrückgang von über 10 Prozent vorhersagt, muss davon ausgegangen werden, dass sich Angebote zur Nahversorgung weiter ausdünnen werden. Hinzu kommt, dass in ländlichen Gebieten vergleichsweise viele ältere Menschen leben, die häufig nicht mehr mobil sind und die weiten Wegstrecken ohne Hilfe nicht zurücklegen können.

Services aufrechterhalten

Die Digitalisierung kann hier helfen – und zwar durch intelligente Vernetzung von Anbietern mit den Nachfragern. Kennt man beispielsweise die Bedarfe, können die Angebote entsprechend zugeschnitten werden, was Zeit und Wege sparen kann und dazu beiträgt, Services der Nahversorgung und auch der Daseins bevorsorge kosteneffizient aufrechtzuerhalten und das Leben auf dem Land wieder attraktiver zu gestalten.

Im Rahmen des Projekts „Digitales Dorf“ werden aktuell in Bayern 5 Modellgemeinden bzw. Modell-Gemeindeverbünde von der Bayerischen Staatsregierung gefördert und bei der Umsetzung ihrer digitalen Idee unterstützt. In der Steinwald-Allianz wurde in diesem Projekt gemeinsam mit den Fraunhofer-Instituten Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen/Nürnberg und Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern der „Mobile Dorfladen“ entwickelt, ein Online-Lieferdienst für vorrangig regionale Lebensmittel für die Bürgerinnen und Bürger der Region. Der Webshop steinwald-dorfladen.de geht Ende 2018 in Betrieb.

Das mobile Verkaufsfahrzeug geht sechsmal pro Woche auf Tour. (Foto: Steinwald Dorfladen GmbH)
Das mobile Verkaufsfahrzeug geht sechsmal pro Woche auf Tour. (Foto: Steinwald Dorfladen GmbH)

Dreh- und Angelpunkt des Projekts ist eine digitale Plattform, die die Bürgerinnen und Bürger, regionale Erzeuger und Händler sowie den Betreiber des mobilen Dorfladens vernetzt. Die Bürgerinnen und Bürger haben im Webshop die Möglichkeit, aus einem Sortiment von etwa 200 Produkten zu bestellen und die Waren an einem selbst gewählten Halte-Ort bzw. Halte-Zeitpunkt abzuholen.

Ausgeliefert werden die Bestellungen mit einem mobilen Verkaufsfahrzeug, ein speziell ausgebauter 12-Tonnen-Lkw, der sechsmal pro Woche abwechselnd auf 3 festgelegten Verkaufstouren unterwegs ist. Dabei werden insgesamt knapp 30 Ortsteile zwei Mal wöchentlich für jeweils 30 Minuten angefahren, in denen einerseits die bestellten Waren abgeholt, andererseits aber auch auf einer Verkaufsfläche von 17 qm Spontaneinkäufe vor Ort gemacht werden können.

Regionale Vermarktung

Welche Bestellung wann, wo und von wem abgeholt wird, wird dem Fahrer des Lkw in einer speziell dafür entwickelten Logistik-App vom dahinterliegenden System angezeigt. Was regional bezogen werden kann, wird von Erzeugern aus der Steinwald-Allianz bezogen, alles darüber hinaus über einen Lebensmittelgroßhändler. Nicht nur für den Konsumenten, dem ein breites regionales Sortiment zur Auswahl steht, sondern auch für den Erzeuger aus der Region stellt dies einen großen Mehrwert dar, da der mobile Dorfladen den Vertrieb und die Vermarktung der Produkte des Erzeugers auf unterschiedlichen Verkaufswegen (online und stationär) übernimmt.

Konkurrenz für andere Dorfläden soll der mobile Dorfladen nicht sein, sondern bestehende Strukturen in der ländlichen Gegend aufrechterhalten und stärken. Für die optimalen Verkaufsrouten wurden daher die konkreten Bevölkerungs- und Versorgungsstrukturen berücksichtigt. So werden nur Haltepunkte angefahren, die in einem bestimmen Umkreis keinen Nahversorger aufweisen – bestellen können trotzdem alle Bürger. Mit der entwickelten Lösung wird so die Nahversorgungssituation von mindestens 4.000 Einwohnern der Steinwald-Allianz verbessert, darüber hinaus wird die regionale Kreislaufwirtschaft gestärkt.

Perspektivisch soll die entwickelte Plattform auch auf weitere Anwendungsfelder und Lebensbereiche der Bürger im Zweckverband der Steinwald-Allianz erweitert werden, um noch mehr Akteure mit den Bürgern digital zu vernetzen und Mehrwerte für den ländlichen Raum zu schaffen. Der ländliche Raum soll so sowohl als Wohnort, aber auch als Arbeitsort wieder attraktiver werden. Die digitalen Lösungen, die in den Modellprojekten der Initiative „Digitales Dorfs“ entwickelt werden, sind so konzipiert, dass sie auch auf andere Gemeinden übertragen werden können. Daneben wurde im Rahmen des Projektes außerdem eine Community gegründet, die allen Interessierten offensteht und wo Erfahrungen bei der Entwicklung und Implementierung von digitalen Lösungen ausgetauscht werden können. 

Foto: Fotolia/candy1812

Die Autorinnen sind Mitarbeiterinnen der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS, Nürnberg.

Weitere Informationen: Öffnet externen Link in neuem Fensterhttps://digitales-dorf.bayern/

Fotos (3): Steinwald Dorfladen GmbH