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Hersteller und Händler profitieren
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Supply Chain  |

Hersteller und Händler profitieren

Interview

Einen sehr hohen Stellenwert bei Lebensmitteln, Kosmetik und medizinischen Produkten. In diesen Warengruppen befinden wir uns in einem dynamischen Prozess, in einem deutlich fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Das hat natürlich auch mit den umfassenden und spezifizierten gesetzlichen Vorschriften für diese Artikel zu tun. Sie zwingen die Marktteilnehmer dazu, ihre Produkte ausführlich zu definieren und zu beschreiben. Entsprechende Datenmengen fallen an, entsprechend hoch ist der Druck zur Rationalisierung durch Digitalisierung. Doch auch in anderen Branchen, etwa im Bereich Bauen und Heimwerken, verändert sich die Einstellung zum Thema. Treiber hierbei ist in erster Linie der Internet-Handel. Onlineshops brauchen nicht nur vollständige Stammdaten und ausführliche Produktbeschreibungen, sondern auch „Rich Content“ bis hin zu professionellen Produktvideos mit 3D-Darstellung.

Die Industrie beklagt hohe Aufwände. Hersteller investieren, Händler profitieren: Stimmt diese Formel?

Nein. Der Hersteller braucht eine Strategie, muss in die nötige Manpower und in die erforderlichen IT-Systeme investieren, um die Artikelwirtschaft zu digitalisieren. Gleiches gilt für den Händler. Auch er muss sich eine Infrastruktur schaffen, die digitale Artikeldaten annehmen und intern verarbeiten kann. Beide Seiten müssen investieren, beide Seiten profitieren.

Der Druck aber kommt vom Handel.

Auch manche großen Händler akzeptieren bis heute einfache Excel-Dateien per E-Mail oder Artikelpässe per Fax. Das wird sich auch nicht ändern, soweit es beispielsweise um regionale Lieferanten geht, die Rewe- oder Edeka-Supermärkte mit heimischen Frischeprodukten beliefern. Im Massengeschäft aber werden vollständige Artikeldaten, digital in das Lieferantenportal des Händlers eingespeist oder über einen Datenpool zur Verfügung gestellt, künftig zum K.o.-Kriterium für eine Listung.

Welche Vorteile bringt die digitale Artikelwirtschaft dem Hersteller?

Studien haben gezeigt, dass strukturiertes Artikel-Stammdaten-Management und die standardisierte elektronische Bereitstellung von Artikel-Stammdaten unter dem Strich auch für den Lieferanten Prozesskosteneinsparungen bringen. Zum Beispiel, weil keine fehlerhaften Bestellungen mehr durch den Handel eingehen, weil keine Rechnungsabweichungen mehr vorkommen, weil fehlerhafte logistische Prozesse minimiert werden.

Bis heute kommen rund die Hälfte der Artikeldaten unvollständig und/oder fehlerhaft beim Handel an.

Digitales Produktinformationsmanagement ist eine noch recht junge Disziplin. Manche Unternehmen brauchen mehr, manche weniger Zeit, um sie zu etablieren. Und sicherlich gibt es auch noch Betriebe, in denen der Stellenwert und die Relevanz dieses Themas noch nicht richtig eingeordnet werden.

Wie lässt sich das ändern, wie lassen sich Fehler minimieren?

Dazu startete GS1 Germany im vergangenen Jahr eine Datenqualitätsoffensive. Beteiligt sind unter anderem Amazon, Beiersdorf, dm, Dr. Oetker, Edeka, Henkel, Markant, Mars, Metro, Mondelez, Nestlé, Rewe und Unilever. Ein wesentliches Element der Offensive sind klare und einheitliche Regeln für die Prüfung der Produktdaten. So wurden Berechnungsmethoden auch auf Basis der künstlichen Intelligenz entwickelt, mit denen sich die Vollständigkeit, Konsistenz und Richtigkeit von Daten feststellen lässt. Möglich macht dies ein Softwaresystem, das die Produktdaten automatisiert auf Basis der Validierungsregeln prüft.

 

Das Interview führte Klaus Manz.