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Hermes-Retouren-Lager in Haldensleben. Rücksendungen von Otto-Partnern werden dort eingelagert. Dadurch sind viele Produkte schneller für den Versand verfügbar. (Foto: Otto/Urs Küster)
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Supply Chain  |

Heute wissen, was Kunden morgen bestellen

Die Otto Group entwickelt sich vom Online-Händler zum Betreiber eines Marktplatzes im Internet. Das Unternehmen hat vor einem Jahr mit dem tiefgreifenden Umbau seines Geschäftsmodells begonnen. Die Hamburger haben die technische Infrastruktur für den Betrieb als Plattform für Händler und Hersteller umgerüstet und sind mit 100 Händlern gestartet. Inzwischen ist die Zahl der externen Partner auf 280 Anbieter gewachsen. Auch die Zahl der aktiven Kunden ist gestiegen. Diese kletterte um 8 Prozent auf 6,6 Mio., darunter 1,8 Mio. Neukunden, wie Otto im April bei der Bekanntgabe der Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/18 verkündete.

Otto.de sieht sich aufgrund seiner Reichweite in einer guten Position, um als Mittler zwischen Marken und Händlern auf der einen und den Kunden auf der anderen Seite aufzutreten. Um weiter zu wachsen, versucht Otto, weitere Marken und Händler zu gewinnen. Um neuen Partnern den Start auf dem Marktplatz zu erleichtern, hat das Unternehmenden „Otto Market“ eingerichtet, eine Online-Plattform, die als Anlaufstelle für künftige Anbieter dient und diese während des Starts und darüber hinaus beim Management der Angebote für die Kunden unterstützen soll.

Self-Service-Tool

Mit „Brand Connect“ bietet Otto zudem erstmals ein Self-Service-Tool, das alle Services und Prozesse bündelt, die für Markenanbieter relevant sind. „Damit können Partner mittelfristig eigene Markenshops bauen, Werbemittel buchen und Verkaufszahlen in Echtzeit einsehen“, erläutert Lennart Kirstein, Leiter Supply-Chain-Management für den „Otto Market“. Mit „Otto Market“ und „Brand Connect“ will die Plattform zu einem „IT-Handels-Ökosystem“ werden.

Investitionen

Um mit dieser Strategie erfolgreich zu sein, will das Unternehmen allerdings noch weitere Services verbessern – sowohl für die Endkunden als auch für die Partnerunternehmen, die über den Online-Marktplatz verkaufen. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2018/19 will Otto daher rund 100 Mio. Euro in den Wandel des Geschäftsmodells hin zur Plattform investieren und rund 580 Stellen in den Bereichen Business-Intelligence, IT und E-Commerce schaffen.

Kurzfrist-Vorhersagen ermöglichten es, die Verfügbarkeit ab Lager zu verbessern, ohne den Bestand übermäßig zu erhöhen.
Lennart Kirstein
Leiter Supply-Chain-Management Otto Market

Wesentlich für den Erfolg der Plattform-Strategie ist die Verfügbarkeit der Waren. Hier gebe es noch Optimierungspotenzial, räumt Kirstein ein. Die Lieferungen von Fremdmarken an die Kunden dauern oft zwischen 5 und 7 Tagen. Das ist vielen Kunden zu lang. Im Vergleich dazu beträgt die Lieferzeit von Otto-Eigenmarken nur einen bis maximal 3 Tage. Die höheren Lieferzeiten bei Fremdartikeln kommen durch den Logistikprozess zustande, denn eine Kundenbestellung über otto.de wird zunächstan den Handelspartner weitergeleitet. Dieser schickt die gewünschte Ware jedoch nicht direkt an den Kunden, sondern erst an Otto, der für den Versand zuständig ist.

Um diesen Prozess zu verkürzen, sucht Otto nach Wegen, um zum Zeitpunkt der Bestellung die Artikel im eigenen Lager verfügbar zu haben, ohne den Lagerbestand übermäßig zu erhöhen. So übernimmt Otto für seine Partner das Retouren-Management und lagert zurückgeschickte Waren im eigenen Lager ein. „Die Retouren machen inzwischen 50 Prozent des Lagerbestandes aus und können bei Bestellung durch andere Kunden zeitnah verschickt werden“, sagt Kirstein. Darüber hinaus setzt der Online-Händler verstärkt auf eine intelligente Bevorratung. Mithilfe von Kurzfrist-Vorhersagen können Partner Produkte mit einer hohen Kaufwahrscheinlichkeit bei Otto kostenlos einlagern. „Die Vorhersage von Kaufentscheidungen ermöglicht es, die Verfügbarkeit ab Lager deutlich zu verbessern“, so der Leiter Supply-Chain-Management.

Retouren als Lagerbestand

Um auf Einzelartikelebene schon heute zu wissen, was Kunden morgen bestellen, arbeitet Otto mit Blue Yonder zusammen, einem Entwickler und Anbieter von cloudbasierten Predictive-Applications für den Handel. Die Karlsruher „trainieren“ Algorithmen auf Basis von historischen Daten mit unterschiedlichen Input-Variablen und liefern Otto täglich automatisierte Bestellentscheidungen mit wie es heißt hoher Treffsicherheit. Mit den Vorhersagen konnten laut Kirstein die Überhänge von großen Lieferanten nach einem Monat deutlich reduziert werden. „So wurden tatsächlich 95 Prozent der Artikel bereits einen Tag nach der Einlagerung von Kunden bestellt“, berichtet Kirstein von Tests mit ausgewählten Partnern. Die Ware musste oft erst gar nicht eingelagert werden, sondern ging direkt an den Kunden weiter, so Kirstein. Inzwischen werden laut dem Otto-Experten etwa ein Drittel der Bestellungen über das neue Beschaffungsmodell generiert und dadurch immer mehr Kunden zeitnah beliefert.

Foto: Otto/Urs Küster

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org

Otto Group: Global Player

Mit einem Online-Umsatz von 7,8 Mrd. Euro zählt die Otto Group zu den weltweitgrößten Online-Händlern. E-Commerce, Kataloggeschäft und der stationäre Einzelhandel bilden die drei Säulen des Multichannel-Einzelhandels der Otto Group. Die Otto Group hat im Geschäftsjahr 2017/18 (28. Februar) ihre Position im Online-Handel behauptet und ihre E-Commerce-Umsätze um gut 10 Prozent gesteigert. Das Segment Multichannel-Retail wuchs um rund 5,3 Prozent. Maßgeblich für diese Entwicklung war abermals der E-Commerce: Weltweit wuchsen die Online-Umsätze um 10,9 Prozent auf knapp 7,8 Mrd. Euro. Im deutschen Online-Geschäft setzte die Otto Group gut 5,4 Mrd. Euro um, ein Plus von 10,2 Prozent. Damit behauptet die Otto Group ihre Position als zweitgrößter E-Commerce-Player in Deutschland und einer der größten weltweit.